Berücksichtigung von zusätzlichen Verdiensten als Schlagzeuger bei der Abwicklung des Arbeitsverhältnisses…

Die 8. Kammer des Arbeitsgerichts Aachen hat in einem jetzt veröffentlichten Urteil entschieden, dass ein Arbeitnehmer keinen Annahmeverzugslohn erhält, soweit er keine Auskunft über den mit seiner Musikband erzielten Zwischenverdienst durch Auftritte erteilt.

Dem zu entscheidenden Fall lag folgender Sachverhalt zu Grunde:

Einem seit 1981 im Unternehmen im Drei-Schicht-System beschäftigten Kläger kündigte die Beklagte am 28.01.2009 fristlos. Im Kündigungsschutzverfahren einigten sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber auf eine Beendigung des Arbeitsverhältnisses und dessen ordnungsgemäße Abwicklung.

Der Kläger ist Schlagzeuger einer regional bekannten Band und trat mit dieser unter anderem am 16.02.2009 während seiner attestierten Arbeitsunfähigkeit auf. Mindestens weitere 25 Auftritte an 15 Tagen im Wesentlichen in der Karnevalssession folgten.

Mit seiner Klage vor dem Arbeitsgericht Aachen begehrte der Kläger Vergütungszahlungen vom 01.02.2009 bis zum 30.06.2009, zum Einen als Entgeltfortzahlung wegen seiner attestierten Erkrankung, zum Anderen als Annahmeverzugslohn, da die Arbeitgeberin seine Arbeitsleistung nach Ausspruch der außerordentlichen fristlosen Kündigung nicht abrief.

Im Prozess war der Arbeitnehmer der Meinung, dass er sog. Zwischenverdienst aus seiner Tätigkeit als Schlagzeuger von den diversen Auftritten weder angeben noch sich diesen anrechnen lassen müsse. Die Auftritte hätten außerhalb seiner üblichen und geplanten Arbeitszeit stattgefunden.

Die Arbeitgeberin war der Ansicht, dass der Arbeitnehmer grundsätzlich einen Anspruch auf Zahlung von Annahmeverzugslohn habe, sich aber zumindest die Einnahmen durch die Bandauftritte anrechnen lassen müsse, die während der üblichen und geplanten Arbeitszeit stattfanden.
Ein Abgleich der Auftritte und Schichten des Klägers ergab, dass der Kläger einmal während der für ihn geplanten Frühschicht und viermal während der für ihn geplanten Spätschicht auftrat.

Die 8. Kammer des Arbeitsgerichts Aachen entschied, dass der Kläger zur Angabe seiner Einnahmen verpflichtet war. Um Annahmeverzugslohn zu berechnen, ist entsprechend der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts eine Gesamtberechnung vorzunehmen. Der Gesamtvergütung, die der Arbeitnehmer bei der Erbringung seiner Arbeitsleistung erhalten hätte, ist gegenüberzustellen, was der Arbeitnehmer in der Zeit anderweitig erhalten hat. Hierzu gehören auch die Einkünfte als Schlagzeuger für Auftritte während der geplanten und nicht mehr abgeleisteten Arbeitszeit. Angaben zum diesem Verdienst machte der Kläger im Arbeitsgerichtsprozess nicht.

[Quelle: Pressemitteilung des Arbeitsgerichts Aachen vom 04.08.2014] 

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